Textprobe

Internationales Kurzfilmfestival Hamburg: Katalogtext für das Sonderprogramm: Reduktion

Programmkuratierung, Text

Not und Tugend

Verdichtung war auf dem Internationalen Kurzfilmfestival Hamburg schon immer Methode: Die No Budget Tradition, die des kurzen Films und der begrenzten Finanzen erfordern Reduktionen. Unser Sonderprogramm zum Thema Reduktion beginnt die Bedeutung des Begriffs auszumessen. Naturgemäß lässt sich von der Reduktion am ehesten sagen, was sie nicht ist: kein Drumherum, nicht so'n Tüddelüt, keine überflüssige Wurstelei. Wir zeigen in diesem Jahr: das Wesentliche.

Reduktion als Konzentration, als Genauigkeit im Gesagten. Reduktion macht, dasselbe zu sehen; keine Facetten, nur das eine. Zu reduzieren bedeutet, Interpretationsmöglichkeiten, eventuell sogar die Vielfalt auszuschließen. Reduktion ist Erweiterung: Konzentration auf Bestimmtes, so dass es endlich erkannt wird. Denn wenig ist viel: Der Kurzfilm reduziert auf ein Ziel, eine gewünschte Regung im Zuschauerherz, steuert gezielt auf eine Wirkung. Der kurze Film, die reduzierte Form: ein Ding, und das deutlich. So macht sich der Kurzfilm die Logik ökonomischer Reduktion im besten Sinne zu Eigen: Diese Filme erzielen mit geringem Aufwand große Wirkung, denn auch mit wenig können Sie viel erreichen! In diesem Sinne zeigen wir das Zusammenspiel von Wohlstand und Armut, verschiedene Formen sozialer und ökonomischer Reduktionen. Die Reduktion betont den Prozess: Etwas wegnehmen, bis neuer oder überhaupt Sinn entsteht. Eine Reduzierung ist eine Beleidigung: Filme, die auf Stereotypen reduzieren. Eine Reduktion macht aus etwas wenig, einen Ausschnitt. Sie wiederholt etwas so oft, bis es sich verändert. Oder sie fragt: "Könnt ihr das aushalten, so wenig zu sehen?"

Von alledem und mehr zeigen wir, was wir in reduziertem sporadischen Arbeiten zusammentragen konnten. Damit haben wir nicht gerechnet, dass Reduktion geradewegs alles sein kann. Ein Thema, dachten wird: Reduktion. Doch es ist ein Fass ohne Boden. Im Grunde kann man reinnehmen, was man mag. Wir haben uns wenig vorgenommen, und damit eindeutig zuviel. Wir haben euch lieb, sind neugierig auf eure Meinung, suchen Streit, wollen euch weh tun und geliebt werden. Alles wie immer.

Mal schauen.

Getextet für den Festivalkatalog des 21. Internationalen Kurzfilmfestivals Hamburg, 2005, mit freundlicher Genehmigung von Jürgen Kittel, Internationales Kurzfilmfestival Hamburg.

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